© EdwardSamuel
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Kommt dir das bekannt vor: Draußen scheint die Sonne am blauen Himmel, und du sitzt drinnen und hast den Schreibtisch voll Arbeit? Deine Motivation in so einem Moment: könnte kaum kleiner sein? So versöhnst du dich mit dem inneren Schweinehund.

Nicht nur bei schönem Wetter fällt es uns schwer, uns zu motivieren: Etwa, wenn wir eine neue Sprache lernen wollen, zum Sport gehen, oder das Protokoll der letzten Teamsitzung endlich schreiben sollten. Warum ist das so? Hier ein psychologischer Erklärungsversuch.

Motivation = Erwartung x Wert

Vereinfacht gesagt geht es in der Motivationspsychologie immer darum: Die Motivation für die Umsetzung einer Handlung setzt sich zusammen aus der Erwartung, mit dieser Handlung das Ziel zu erreichen und dem Wert, den dieses Ziel hat. Es macht also Sinn, sich einmal anzuschauen, welche Erwartungen man hat und welche Ziele einen im täglichen Tun leiten.

Glaubenssätze bestimmen den Erfolg

Die Frau im Video scheint den festen Glaubenssatz zu haben, ihre Situation nicht selbstständig ändern zu können. Die einfachste Lösung ihres Problems, also den Nagel einfach zu entfernen, kommt für sie nicht in Frage. Fast jeder hat solche Nägel im Kopf, die uns daran hindern, unser Potential voll auszuschöpfen. Durch Botschaften, die irgendwann im Laufe des Lebens an uns gesendet wurden, entweder direkt oder zum Beispiel über die Meinungen der Eltern, haben sich solche Gedanken fest verankert. So was wie „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ beispielsweise; oder die Angst vor Präsentationen, die sich durch eine unangenehme Erfahrung beim ersten Referat in der Schule gebildet hat. Solche Glaubenssätze haben natürlich Einfluss auf unsere Motivation: Wenn ich nicht glaube, dass ich ein Ziel erreichen kann, werde ich wohl auch kaum große Mühe dafür aufbringen.

Hinderliche Gedanken auflösen?

Ja, das geht, wenn auch nicht von heute auf morgen. Zunächst einmal muss man sich die blockierenden Glaubenssätze bewusst machen. Dann kann man sie überprüfen und mit Fakten abgleichen. Im Beispiel von oben: „Ich wurde einmal bei einem Referat ausgelacht, aber die letzten zehn Präsentationen, die ich im Job gemacht habe, kamen alle gut an und wurden vom Chef gelobt.“ Hilfreich ist es auch, sich den Unterschied von „müssen“ und „wollen“ einmal zu verdeutlichen: Will ich diese Vorlesung hören/diese Sprache lernen/diese Weiterbildung machen, oder muss ich? In den meisten Fällen liegt die Entscheidung bei uns.

Ziele: erst die ganz Großen…

Der zweite wichtige Faktor für die Motivation sind die Ziele, die das Handeln leiten. Wenn ich später einmal erfolgreiche Anwältin sein will, will (nicht muss) ich jetzt Jura studieren. Wenn ich ein halbes Jahr durch Australien reisen will, will ich mein Englisch verbessern. Um diesen „Lebenszielen“ auf die Spur zu kommen, kann es eine gute Übung sein, einmal in die Zukunft zu denken und sich beispielsweise eine Rede zum eigenen 80. Geburtstag zu schreiben. Oder sogar einen Nachruf. Was soll im Leben passieren, an was sollen sich die anderen erinnern?

… dann die SMARTen

Aus den großen Zielen und Visionen lassen sich kleine, konkrete Ziele ableiten, die SMART formuliert werden sollten:

Spezifisch: heißt unmissverständlich, konkret und einer inneren Logik folgend.

Messbar: das Ziel sollte überprüfbar sein.

Anziehend: je größer die Anziehungskraft, desto leichter die Umsetzung – also: positive Auswirkungen vor Augen führen.

Realistisch: kann ich dieses Ziel aus eigener Kraft erreichen?

Terminiert: Bis wann genau wird was erledigt sein?

Glaubenssätze x Ziele = Motivation

Ist also ganz einfach mit der Motivation. Mit den richtigen Glaubenssätzen, also einer positiven Erwartungshaltung, und gut formulierten Zielen (für die man sich gern auch ein Symbol überlegen und auf den Schreibtisch stellen kann) kommt man gegen jeden Schweinehund an. Und im Zweifelsfall lässt er sich mit der Aussicht auf einen Kaffee in der Sonne nach getaner Arbeit versöhnen…

Dieser Artikel ist auch erschienen auf: www.easYgeneration.net/blog

Der ewige Kampf mit dem inneren Schweinehund